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Einweihungsgottesdienst 23.März 1975

Wirken aus Gemeinschaft in die Welt

… aus dem Regionalanzeiger vom 25.3.1975
Der bedeckte Himmel des Vorfrühlingstages vermochte den Glanz nicht zu trüben, der den nunmehr fast ins Großzügige geweiteten Chorraum erfüllte, in dem die protestantischen Geistlichen in feierlichem Schwarz und der katholische Amtsbruder in festlich-farbenfreudigem Gewande sowie der Kirchenchor und die begleitenden Musiker ihres Amtes walteten:
das neue Gemeindehaus der evangelischen Petrigemeinde Baldham, das in Einheit mit einem Kirchenerweiterungsbau entstanden ist, wurde seiner Bestimmung übergeben. )Die übergroße Besucherzahl bekundete im übrigen, dass auch im Bewusstsein der Gemeindeglieder ein großer Festtag begangen wurde.
Wie zumeist, wenn man einen wichtigen Schritt hinter sich gebracht weiß, spielte in den Festansprachen die Geschichte eine wichtige Rolle. Der Münchner Dekan Theodor Glaser, der noch vor dem Festgottesdienst im Rahmen eines Schlüsselübergabezeremoniells seine Hausherrenrolle an den Baldhamer Pfarrer Oskar Rohrbach abgetreten hatte; ging sogar bis ins Jahr 1806 zurück: In diesem Jahre nämlich, so wusste er seinen. Zuhörern als Frucht eigener Aktenstudien zu überliefern, hätten sich unter anderem auch im Bereich des Landgerichtes Ebersberg
Protestanten aus der Pfalz niedergelassen. Damit aber habe hier die Geschichte der evangelischen Kirche begonnen. In den Akten werde diesen protestantischen Siedlungen ferner ein unter anderem mit finanziellem Mangel gepflasterter Weg in die Zukunft vorausgesagt…
Hier setzte der Vertrauensmann des Kirchenvorstandes der Petrigemeinde, Wolfram Kammrad, an, wenn er die Bemühungen Pfarrer Rohrbachs und des Kirchenvorstandes um die Verwirklichung des Gemeindehausprojektes schilderte: Rohrbachs „Bittgängen“ nach München, so sagte er, sei es endlich zu verdanken gewesen, dass Kreisdekan Lanzenstiel und Dekan Glaser die geltend gemachte Dringlichkeit des Vorhabens immer wieder anerkannt und schließlich trotz schlechter Finanzlage der Kirche für den Bau grünes Licht gegeben hätten.
Dekan Glaser hatte für diese Hartnäckigkeit der Baldhamer in der Ortsnamenkunde eine Erklärung gefunden. In mehreren Nachschlagwerken habe er, wie er mitteilte, für die Silbe „bald“ Bedeutungen wie kühn, dreist, verwegen und keck gefunden, worauf er sich gesagt habe, dass das eigentlich passe. Denn er habe sich, da man
ihn seitens der Petrigemeinde hinsichtlich des Gemeindehauses so stark bedrängt habe, nicht mehr nach Baldham hinausgetraut. Die Silbe „ham“ aber bedeute soviel wie Heim, Gemeinschaft, Nähe und Wärme. Das nun möge die Petrigemeinde mit ihrem neuen Gemeindehaus finden. Sie lebe am besten überhaupt. nach ihrem
Namen, wozu auch gehöre, dass ihre Glieder kühn hinausgingen, um in ihren jeweiligen Lebensbereichen Zeugen Christi zu sein und damit einen Beitrag zu wahrhaft menschlichem Leben zu leisten.
Pfarrer Rohrbachs, des Hausherrn „Herzenswunsch“ ging in die gleiche Richtung, und der Bürgermeister von Zorneding, Weinberger wünschte dem Gemeindehaus auch im Namen des Landrats Dr. Streibl, des Bürgermeisters von Parsdorf, Maas und des Bürgermeisters von Pöring, Wimmer, die dem Festakt sämtlich beiwohnten, eine Fülle frommer und fröhlicher Menschen. Das alles wollte vor dem Hintergrund der vorausgegangenen Predigt verstanden werden, die Kreisdekan Oberkirchenrat Georg Lanzenstiel, München, gehalten hatte. Er hatte nämlich vor. einer Verherrlichung des Menschen gewarnt und das Gemeindehaus eine Stätte der Verherrlichung Gottes genannt.
Doch so würdig der Festakt, an dessen Ausgestaltung das Streichquartett Then-Bergh und das Bläserquartett Mußer mitwirkten, auch ablief und so hohes Lob in seinem Verlauf Vertrauensmann Kammrad insbesondere Oberbaurat Eigenherr von der Gesamtkirchenverwaltung, Architekt Mezger und den Damen und Herren des Kirchenvorstandes mit Pfarrer Rohrbach an der Spitze sowie den beteiligten Baufirmen und ihren zum Teil ausländischen Arbeitskräften spendete – er war, kein ganz vollkommener Schlusspunkt zu dem, wie man vermuten kann, letzten großen Bauvorhaben der Baldhamer Protestanten in diesem Jahrhundert. Denn der
Gemeindehaus- und Kirchenerweiterungsbau, dessen Kernstück ein großer Saal darstellt, der lediglich durch eine Schiebetür vom Chorraum der Kirche abgetrennt ist und daher zusätzlichen Raum für Gottesdienstbesucher zu bieten vermag, hat seinen endgültigen Abschluss noch nicht gefunden. Vor allem die neue Orgel, die neben dem Altar ihren Platz finden soll, lässt noch auf sich warten.
Peter Mast

sb | 9. Oktober 2015, 14:41 |

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