zu den Bereichen:

aktueller Inhaltsbereich ""

aktueller Inhaltsbereich ""

Bereichsübersicht: Startseite

Zeichnung Petrikirche

Die Frauen mit dem schwarzen Kopftuch

Die erste Kirchenvorstandssitzung im Oktober 1961: eine Dame, sieben Herren.
Von denen sprechen die meisten einen ungewohnten Dialekt. Sehr schnell stellt sich heraus, dass es Vertriebene aus den ehemals deutschen Ostgebieten sind, die hier ihre neue Heimat gefunden haben. Ein eigenes Häuschen, ein schöner Garten gehören wieder zum Dasein. Bauern waren es meist, aus Siebenbürgen, aus der Batschka, aus dem Banat, aus Ungarn, Handwerker aus Schlesien und dem Sudetenland, Westpreußen und Ostpreußen. Die Frauen vielfach kenntlich an ihren schwarzen Kopftüchern, die am Sonntag nicht zu übersehen waren. Die alte k. u. k. Monarchie und das Deutschland von 1937 waren hier vertreten. Nun war ich selbst ein Verjagter aus den Ostgebieten und so konnte es kaum ernstliche Kontaktschwierigkeiten geben. Die Frauen und Männer aus dem »Osten« verstanden sich schnell und die verbindliche österreichische Art öffnete auch viele andere Herzen ohne große Komplikationen.
Die Frauen mit den schwarzen Kopftüchern waren das besondere Kennzeichen der Gemeinde in vielfacher Hinsicht. Unendlich fleißig, bescheiden, abgearbeitet und verhärmt durch Arbeit von frühester Jugend an in Haus und Garten, immer zu einem Plausch aufgelegt und voller Entgegenkommen beim Besuch des Pfarrers. Unvergesslich die Abendmahlsrunde in Neukeferloh zweimal im Jahr, im Advent und in der Passionszeit. Wir feierten das Mahl des Herrn und feierten anschließend unser Zusammensein, das uns hier in der Gemeinde neu geschenkt war.
Die Frauen mit dem schwarzen Kopftuch, wie waren ehedem das Gütezeichen der werdenden Gemeinde. Sie wollten nichts für sich, sie traten nie in den Vordergrund, sie fielen nie auf, es sei denn durch Fleiß, Pflichterfüllung und Freundlichkeit. Belächelte Tugenden von einst? Heute vielleicht. Und doch haben sie mich die Frauen mit dem schwarzen Kopftuch hoch schätzen gelehrt. Es ist mir bange nach ihnen und ihren Tugenden.

sb | 16. November 2009, 09:49 |

top