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Mystik der offenen Augen

Alle Religionen haben etwas Mystisches. Der katholische Theologe Johann Baptist Metz lehrt eine „Mystik der offenen Augen“. Ein guter Ausdruck.

Die ersten Christen haben nach der Auferstehung Jesu nicht nur von den freudigen Begegnungen mit dem Auferstandenen erzählt. Sie haben auch die Geschichte seines Leidens überliefert. Damit zeigen die Evangelien: Christen verdrängen das Leid nicht. Sie gehen mit offenen Augen durchs Leben.

Martin Luthers Erkenntnis war: Ohne die Erfahrung der Dunkelheit nimmt man Licht nicht wahr. Ohne Kreuz und Leid bemerkt man nicht, wie kostbar das Leben ist. Wenn ein Mensch leidet, zeigt sich auch etwas vom Schatz seines Lebens. Mystik der offenen Augen in diesem Sinne heißt: Würdigung des Menschen auch mit Schuld und Leid.

Heute bedeutet „Mystik der offenen Augen“ nach Johann Baptist Metz, den Blick nicht abzuwenden von den Unglücklichen dieser Welt: von Leid und Ungerechtigkeit, die um uns herum existieren, von Kriegen und Katastrophen in der Ferne.

Ermutigend, dass Evangelische und Katholische so aufeinander zugehen; dass ein katholischer Theologe ein Stichwort gibt, das mir als evangelischem Christen etwas bedeutet; dass gerade auch der Papst in diesem Sinne wirkt: Das alles sind Hoffnungssignale, wie sie lange unvorstellbar waren.

Ihr Gereon Sedlmayr

B.G. | 26. Februar 2017, 14:38 |

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