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Von der Glaubenswoche zum Reformationstag

95 Thesen, die Martin Luther vor 500 Jahren veröffentlicht hat, haben die Welt verändert. Die bildlichen Darstellungen des Thesenanschlags dramatisieren das und zeigen einen Luther mit Hammer. So kommt es zur Vorstellung, durch den homöopathischen Einsatz von Gewalt habe Luther das Fundament der westlichen Christenheit gespalten. Aber in Wirklichkeit war nicht einmal ein Hammer nötig. Vermutlich hat der Hausmeister der Universität die Thesen mit Leim angeklebt, wie es seinerzeit üblich war, wenn ein Professor Theorien im größeren Kreis diskutieren wollte.

Über die 95 Thesen Martin Luthers haben schon Viele etwas gehört. Aber nur Wenige haben sie aufmerksam gelesen. Sie klingen auch wirklich nach finsterem Mittelalter. Die Hauptthemen sind Fegefeuer und Ablass – Dinge, die einen aufgeklärten Menschen kaum bewegen. Doch unter der mittelalterlichen Oberfläche funkeln Gedanken, die auch heute bedenkenswert sind; man muss sie nur in eine moderne Sprache übersetzen. Z.B.: Die Angst eines Menschen vor dem Tod und sein Glaube an Gott verhalten sich umgekehrt proportional zueinander (nach These 14). Oder: Selbstbetrug kann unheimlich tief gehen. Wer zu bereuen meint, ist nie sicher, ob seine eigene Reue wahrhaftig ist (nach These 30). Oder: Die Kirchen mögen Geld, unbezahlbare Kulturgüter und tolle Immobilien besitzen. Wirklich etwas wert ist aber nicht ihre Hardware, sondern ihre Software: „das heilige Evangelium der Herrlichkeit und Gnade Gottes“ (nach These 62).
Ihr Gereon Sedlmayr

B.G. | 17. Oktober 2017, 20:44 |

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