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Lieder voller Wehmut, Schmerz und Hoffnung

GOSPEL IN DER PETRIKIRCHE

Lieder voller Wehmut, Schmerz und Hoffnung

Baldham – Eine Kirche mit einem Konzert zu füllen, gelingt oft nur Chören, denn die vielen Angehörigen sind meist ein Garant für einen entsprechenden Besucheransturm. Anders ist das oft bei Solisten. Nicht so am vergangenen Wochenende in der evangelischen Petrikirche in Baldham, als Michael Flannagan auftrat. Sein Programm „Negro Spirituals und Gospel“ zwang die Kirchenverantwortlichen um Anja Dollinger angesichts der übervollen Kirche auch den Nebensaal zu öffnen. Einen „Zwang“ dem sie gerne nachkam und Pfarrer Lucas Graßal in seiner Begrüßung fragen ließ: „Ja, ist denn scho Weihnachten?“ Flannagan, der sich selbst am Flügel begleitete, sang das erste Lied A cappella und erklärte danach, was der Gospel für seine nach Amerika verschleppten Vorfahren bedeutet hat. Trauer Hoffnungslosigkeit, Freude – alles ist darin ausgedrückt und nur dadurch konnten die Sklaven ihr Schicksal ertragen, denn sie schöpften daraus ihre Kraft. Der perfekt deutschsprechende Amerikaner, der schon überall auf der Welt gespielt und sogar schon auf Kreuzschiffen aufgetreten ist, ließ es sich nicht nehmen, alle Lieder ein wenig zu erläutern, so dass sich einem deren Sinn noch besser erschloss. Aber auch ohne sie wurde schnell deutlich, welche Stimmung sich darin verbarg, denn er sang die Stimmungen nicht, er ließ sie stattdessen jeden erleben, als ob ein unsichtbares Band ihn und sein Publikum verbinden würde. Und so sprang der sprichwörtliche Funke nicht nur schnell über, sondern es war ein regelrechtes Feuerwerk das zwischen ihm und dem atemlosen Publikum hin und herfunkte.
Mitklatschen, mitschnipsen und jubelnder Applaus – das Publikum kam nicht zur Ruhe. Außer bei den melancholischen Liedern wie beispielsweise „Swing Low, Sweet Chariot“ bei denen man in der wandelbaren Stimme des Künstlers förmlich Jahrhunderte der Unterdrückung und des unvorstellbaren Leids zu hören glaubte.
Trotzdem klang auch immer wieder Hoffnung durch, die niemanden unberührt ließ. Vielleicht auch, weil er eine ganz eigene Art hatte, altbekannte Lieder neu zu interpretieren, beispielsweise „Amazing Grace“. So konnte es nicht ausbleiben, dass das Publikum eine Vielzahl von Zugaben erklatschte, darunter auch als Abschluss „0 happy day“, bei der alle aufstanden und mitsangen.

aus dem Münchner Merkur, 15.04.2008, F. Köppl

sb | 17. April 2008, 19:18 |

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